Ein Blick auf die unterschätzten Kosten der Energiewende und die unsichere Zukunft der Stromversorgung.

Von der Redaktion | März 2025

Während Deutschland und viele EU-Staaten den ambitionierten Weg zur Klimaneutralität weiterverfolgen, rückt eine unbequeme Realität immer näher: Der Strom der Zukunft wird deutlich teurer. Und das nicht nur wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien – sondern vor allem durch versteckte Kosten, politische Unsicherheiten und geopolitische Risiken, die bislang oft vernachlässigt wurden.

Der Preis der Sicherheit: Resilienzstrom als Kostentreiber

Ein entscheidender Faktor ist der sogenannte Resilienzstrom – Strom aus wetterunabhängigen, steuerbaren Quellen wie Biogas, Wasserstoff-Kraftwerken oder Batteriespeichern. Diese Energieformen sind notwendig, um die schwankende Einspeisung aus Wind und Sonne auszugleichen. Doch sie sind teuer in der Bereitstellung, erfordern massive Investitionen und verursachen laufende Systemkosten, die bislang nicht vollständig im Strompreis eingepreist sind. Ohne Resilienzstrom drohen Blackouts – mit ihm droht ein Preissprung.

CO₂-Preis und politische Unsicherheit: Die unterschätzten Multiplikatoren

Die politisch beschlossene Erhöhung des CO₂-Preises – aktuell bei etwa 50€/t, geplant auf 100–200€/t bis 2030 – wird fossile Energie massiv verteuern. Zwar soll die Stromerzeugung bis 2045 nahezu vollständig klimaneutral sein, doch der Weg dorthin ist teuer. Vor allem die Umstellung industrieller Prozesse, der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und die Elektrifizierung im Verkehrs- und Gebäudesektor treiben die Nachfrage – und damit die Preise – weiter nach oben. Gleichzeitig nimmt die geopolitische Unsicherheit zu: Spannungen im Nahen Osten, Lieferkettenprobleme bei strategisch wichtigen Rohstoffen (z.B. Kupfer, Lithium, seltene Erden) sowie Unsicherheiten über die Zukunft der europäischen Energiepolitik lassen die langfristigen Kostenrisiken weiter steigen.

Netzentgelte und Infrastruktur: Der stille Kostenfaktor

Neben der Erzeugung ist auch der Stromtransport ein wachsender Preistreiber. Der Ausbau der Stromnetze – insbesondere der Hochspannungs-Gleichstromtrassen von Nord nach Süd – sowie die Digitalisierung der Verteilnetze schlagen Milliardeninvestitionen zu Buche. Hinzu kommen Wartung, Instandhaltung und zunehmende Anforderungen an Cybersicherheit. Diese Kosten landen direkt oder indirekt auf der Stromrechnung der Endverbraucher – insbesondere über die Netzentgelte, die bereits heute rund ein Viertel des Strompreises ausmachen.

Strompreis-Prognose: Realistische Einschätzung unter skeptischem Blickwinkel

Unter Einbeziehung dieser Entwicklungen ergibt sich eine ernüchternde Prognose:

Jahr Erwarteter Strompreis (€/kWh)
2035  0,45 – 0,50 €
2045  0,55 – 0,65 €

Im Vergleich zum heutigen Durchschnittspreis von rund 0,35 € / kWh entspricht das einer Preissteigerung von bis zu 85 % innerhalb von 20 Jahren.

Was bedeutet das für Haushalte und Unternehmen?

Private Haushalte müssen sich auf spürbar steigende Stromrechnungen einstellen – trotz effizienterer Technik. Besonders betroffen sind größere Haushalte mit Wärmepumpen und E-Autos. Für Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – droht ein internationaler Wettbewerbsnachteil, sofern keine wirksamen Entlastungsmechanismen greifen.

Fazit- Die Energiewende ist richtig – aber nicht kostenlos

Der Umbau unseres Energiesystems ist ökologisch alternativlos, aber ökonomisch herausfordernd. Wer heute die Stromkosten nur kurzfristig betrachtet, unterschätzt die langfristigen Belastungen, die auf Gesellschaft und Wirtschaft zukommen. Es braucht mehr Ehrlichkeit in der Debatte – und innovative Lösungen, um Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit dauerhaft in Einklang zu bringen.

Hinweis der Redaktion

Dieser Artikel basiert auf aktuellen politischen Rahmenbedingungen, wirtschaftlichen Trends und technologischen Annahmen. Die tatsächliche Preisentwicklung kann – je nach globalen Entwicklungen – sowohl besser als auch deutlich ungünstiger verlaufen. Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Angaben sind unverbindlich, da sie von individuellen Bedingungen beinflusst werden können.